Dienstag, 20. Mai 2014

Elu on ilus ... Das Leben ist schön.

Lange ist es her und wieder einmal habe ich die versprochene Frist gebrochen, aber nun komme ich endlich einmal dazu, etwas zu schreiben ... bzw. den letzten offiziellen Eintrag dieses Blogs zu verfassen.
Meine letzte Geschichte aus Estland, bzw. mein letztes Engagement, Estlands Glanz im Internet zu verbreiten, wird dies nicht sein, aber dazu später mehr.




Hier zunächst einmal ein Grundriss meines momentanen Lebens:
Langsam habe ich mich in Deutschland eingelebt. Meine Arbeit (ich kellnere über eine Zeitarbeitsfirma) macht mir sehr viel Spaß und ich sammle nach und nach Erfahrungen in der Gastronomie.
Der Aktenwahnsinn nimmt ab, dafür beginnen schon die Vorbereitungen für meinen Sommerurlaub, der mich zunächst über Berlin, Warschau, Vilnius und Riga nach Tartu und später noch nach Petersburg, Finnland und quer durch Estland führen wird. Meine Stimme öle ich auch bereits für das riesengroße estnische Sängerfest, bei dem ich den größten Chor der Welt (30.000 aktive Sänger) zu sehen bekomme.


Estland selbst vermisse ich noch oft und gerne, aber alles andere wäre nach so einem berauschenden Jahr auch merkwürdig. Der estnischen Sprache bleibe ich noch sehr treu, treffe mich dann und wann mit in Deutschland lebenden Esten, höre estnisches Radio und estnische Lieder, schaue estnische Sendungen im Internet und lese estnische Bücher. Gerne zaubere ich mir auch estnische Köstlichkeiten auf den Tisch oder unterhalte Skype-Konversationen nach Estland, um mit meinen Freunden, ehemaligen Kollegen und Bewohnern in Kontakt zu treten. Bei der deutsch-estnischen Gesellschaft bin ich auch gemeldet. Estland macht es sich in meinem Herzen also mehr als gemütlich. 




Auch in der Zukunft wird sich wohl vieles bei mir um Estland drehen. Bei meinem Besuch neulich in Greifswald habe ich mich entschieden ebendort Fennistik (also ostseefinnische Sprachwissenschaft) und deutsche Fremdsprachenphilologie zu lernen. Finnisch, Estnisch und Deutsch. Ein Traum. :)
Bei meinem Besuch in Greifswald hatte ich die Möglichkeit im Rahmen des Festivals "Nordischer Klang" estnische Künstler zu hören, Vorträge über die estnische Sprache zu besuchen und mit der estnischen Botschafterin in Deutschland zu sprechen. Das nordische Institut hat mich begeistert und mich in meiner Studienwahl bestärkt. Sehen wir also, was die Zukunft für mich bereit hält.

Mein Fazit?
Die Frage nach einer Quintessenz kann ich hier leider nicht beantworten, da ich die Unmengen an Eindrücken einfach unmöglich in wenige Sätze pressen kann. Jedoch kann ich kurz anmerken, dass ich mein Jahr in Estland so sehr genossen habe wie noch nichts in meinem Leben. In dieser Zeit ist viel kaputt gegangen, aber noch viel viel mehr neu entstanden, das nun wächst und floriert.
Jedem, der noch unentschieden ist, pflichte ich bei, dass ein Jahr im Ausland etwas ganz großartiges sein kann und man das Beste aus solchen Erfahrungen machen sollte. Mich jedenfalls hat dieses Jahr komplett geändert - und ich blicke mit Freude und Stolz in die Zukunft.
Estland hat mir gezeigt: Elu on ilus! Das leben ist schön.




Kuigi eestlaseks sündinud ei ole, elab mu hing Eestis edasi.

AITÄH, EESTI

Südamest,
sinu Marcelikene

Dienstag, 1. April 2014

Aller Abschied ist schwer. - Von Sonnenstunden, schweren Tränen und Endzeitstimmung

Mehr als einen Monat ist mein letzter deutscher Blogeintrag nun schon her. In kaum einem Monat ist dabei mehr passiert als in diesem.
Wie ihr vielleicht gemerkt habt, waren die letzten vier Blogeinträge nicht auf Deutsch geschrieben, sondern auf Estnisch. Dies habe ich insbesondere als schriftliche Übung genutzt, da ich am Anfang des Monates, dem ersten März, mein Estnischexamen abgelegt habe.
Doch ersteinmal zum Anfang ...

Meine letzten Wochen waren intensiv vom Abschied geprägt:
Rentiere gibt es zwar in freier Wildbahn in Estland nicht,
im Tierpark von Elistvere schon
Taschen packen, letzte Besorgungen machen, Unterschriften geben, Päckchen nach Deutschland schicken und vor Allem: Nocheinmal Estland genießen. So habe ich ein paar kleinere Reisen unternommen, beispielsweise habe ich es endlich einmal in den Elistvere Tierpark geschafft. Der Tierpark begann einmal als Notaufnahmestation für verletzte Wildtiere und beherbegt beispielsweise einen Elch, einen Bär, Luchse, Rehe, Rentiere, Wisente und viele andere Tiere.
Das einzige Problem: Kein öffentliches Verkehrsmittel führte in den Tierpark. So nahm ich einen Bus in ein kleines Dorf und lief 7 Kilometer zum Park und im Anschluss wieder 7 Kilometer in ein anderes Dorf von wo ich mit einem anderen Bus zurück nach Tartu kam.

Hauptgebäuder der
Tartuer Uni
Oft traf ich mich auch mit Ingrid, meiner Sprachlehrerin, die mich für die B2-Prüfung vorbereitete.
Meine Prüfung selbst begann am klaren Morgen des 1. März. Im Sprachenzentrum der Universität Tartu versammelten sich 15 Russen, eine Finnin und ich. Eineinhalb Stunden Schreibanteil, danach kamen der Lese- und Höranteil. Zum Schluss hatte ich mit einem Russen, der als Bäcker in einem Supermarkt in Tartu arbeitete, einen Dialog, in dem unsere Sprachfähigkeit gemessen werden sollte.
Mit einem guten Gefühl verließ ich das Haus. Lange musste ich warten, doch vorgestern dann: TADAA! Mit 88 % habe ich das B2-Examen bestanden (nötig wären 60% gewesen). B2 bedeutet höheres Mittellevel. B1 in etwa reicht für die Staatsbürgerschaft, B2 benötigt man um in Estland zu studieren oder amtlichen Arbeiten nachzugehen (zB als Krankenschwester). Darüber freue ich mich sehr. Vielen Dank an alle, die mich beim Lernen und in der langen Wartezeit unterstützt haben, insbesondere an Ingrid für die vielen Konsultationen und an Markus, der immer mein langes Gebüffel am Abend und meine vielen Ningelattacken aushalten musste! :)

Etwa zwei Wochen vor meiner Abreise kam meine Freundin Nico aus Deutschland an, die die letzten zwei Wochen gemeinsam mit mir verbrachte. Sie half mir beim Abschiednehmen und flog dann gemeinsam mit mir nach Deutschland. Zunächst waren wir jedoch vier Tage in Tallinn. Bei perfektem Wetter verbrachten wir Zeit am wunderschönen Sandstrand, im knospenden Park von Katharinenthal, in den olympischen Segelanlagen von Pirita und in der allzeitschönen Allstadt. Dennoch entdeckten wir auch für mich neue Orte, wie etwa Kalamaja (übersetzt: "Fischerhaus"), einen kleinen Holzhausstadtteil der in den letzten Jahren zum Künstlerviertel mit Galerien, Bars und Kunstprojekten geworden ist. Dort verweilten wir auch etwas an Patarei (Batterie) - einem bis 2005 betriebenen Gefängnis direkt am Wasser. Heutzutage ist das Gefängnis ein Kulturgelände, auf dem Kunstprojekte und wilde Feiern durchgeführt werden. Bei niedriger Brandung und untergehender Sonne war dies ein schöner Anblick, ungleich dem von Linnahall (Stadthalle). Dieses große militärische Sowjetgebäude wurde einmal errichtet um eventuellen Angriffen Finnlands oder Schwedens gegen die Sowjetunion standzuhalten. Heute verschandelt das Monstrum den Ausblick auf Tallinn vom Meer aus, bietet jedoch einen Platz um bei Sonnenuntergang ein Bier mit Ausblick auf Tallinn zu genießen - oder um (wie wir) ein paar tolle Fotos bei Sonnenschein zu schießen.

Die triste "Stadthalle" als Bollwerk der UdSSR gegen Schweden und Finnland
In den Straßen von Tallinn
Statue "Der Zuhörer" auf dem Tallinner Sängerplatz. Sie stellt den Dirigenten Gustav Ernesaks dar,
der nach einem Gedicht der wichtigen Poetin Lydia Koidula das wichtigste estnische Volkslied
"Mu isamaa on minu arm" (Mein Vaterland ist meine Liebe) verfasste. Es steht gleichbedeutend für die singende
Revolution, die Estland seine Freiheit schenkte.
Das Gefängnis Patarei (Batterie) beherbergte bis 2005 ein Hochsicherheitsgefängnis und ist
heute ein großes Kunstgelände, auf dem Ausstellungen und Parties stattfienden.
Ein Anblick, an den ich mich so gewöhnt habe.
Die "Sini-Must-Valge" (Blau-Schwarz-Weiß)
weht an allen Ecken Estlands.
Am letzten Tag in Tallinn genossen wir etwas sehr schönes. Eine junge Tallinner Firma bietet täglich gratis Statführungen auf Englisch an. Punkt 12 startet eine Tour vor der Tallinner Touristeninfo, die etwa zwei Stunden dauert und zumeist von Studenten oder anderen jungen Esten durchgeführt wird.
Unsere junge Studentin war ein echter Entertainment-Bolzen. So genossen wir (wieder im Sonnenschein) eine grandiose Tour mit coolen Anekdoten und Geschichten, beispielsweise wie Anfang der 90er alte Sowjetwaffen an Touristen verkauft wurden, dass Esten jedes Gespräch mit Ausländern mit dem Satz untermauern "Aber WIR haben Skype erfunden!" und das Estland der merkwürdige, zurückgebliebene Cousin von Lettland und Litauen ist.

Unsere junge estnische Touristenführerin Reelika.
Tallinn zeigt sich von seiner besten Seite.

Am Ende gab es für die nette Tourführerin Trinkgeld und wir fuhren in einem neuen, modernen Zug nach Tartu, wo wir auch ein wenig Zeit verbrachten, Markus trafen und den "Tartuer Geist" genossen.
Unter Anderem hatten wir das Glück, ein tolles Konzert sehen zu dürfen. Im kleinen Theaterhaus des Tartuer Stadttheaters, dem alten baltendeutschen Theater, besuchten wir das Konzert von Mari Pokinen, einer finnisch-estnischen Sängerin, die mir sehr gefällt. Ein Musikbeispiel gibt es unten. Im Anschluss gingen wir noch ein wenig bowlen mit Mantisa und Ken, dem Leiter der Holzwerkstatt des Dorfes.


 

Mantisa, Ken, Markus und ich auf der Bowlinganlage in Tartu

Darauf wiederum folgten tolle Tage im Dorf, die wir mit unterschiedlichsten Aktivitäten füllten. Überall lag jedoch schon der Beigeschmack im Mund, es komme bald zum Abschied. Davon ließen wir uns jedoch die Stimmung nicht vermiesen. EInen Tag nahmen wir uns frei und fuhren mit dem Auto nach Räpina und an den Peipussee. Mit dem Ausblick auf Russland am anderen Ufer durften wir dabei nicht nur die Schönheit Estlands sondern auch wieder die Sonne genießen ... und leckere Erdnusskekse. Welch ein Glück. :-)

"Ritt" auf einer traditionellen estnischen Kiik, einer Mehrpersonenschaukel
Vom Hafen in Räpina aus liegt Russland nur ein paar Kilometer über den See
Das Glockenspiel erheitert Körper und Seele :)
Voller Tisch und volles Haus.
So sehen Essenszeiten in meinem Arbeitshaus aus.

Danach legten wir auch noch in Taevaskoda an und betrachteten ein weiteres (und für mich letztes Mal) die Steinklippen. Diesmal fanden wir auch den Waldbrüderbunker, den ich schon so lange gesucht hatte. Die Waldbrüder waren "Guerilla-Kämpfer", die nach der Sowjetbesetzung in den Wald zogen und die Sowjetmacht sabotierten. Sie unterhielten Unterstützung aus der Bevölkerung und lebten für Jahrzehnte in selbstgebauten Bunkern im Wald. Wurden sie entdeckt, wurden sie verschleppt und ins Zuchthaus gebracht. 1944 zogen 70.000 Menschen in den Wald. Mitte der siebziger Jahre wurde dann der letzte Waldbruder entdeckt. Ihre Bunker wurden zerstört. Vom Taevaskojabunker blieb daher jedoch also nur ein großes Loch, aber die Vorstellung, was hier einmal geschah, bleibt im Gedächtnis.

Heute nur noch ein Loch, vor knapp 70 Jahren ein Bunker für 10 Männer,
die mit Kanonen durch den Wald liefen und der Besatzungsmacht Parolie liefern wollten.

Einen Tag später zogen wir erneut nach Tartu, unter anderem um mit Kadri, einer sehr guten estnischen Freundin, in das KGB-Museum zu gehen. Die alten Schließzellen im Keller eines alten KGB-Hauses wurden restauriert und für Besucher zugänglich gemacht.


Mit dem Tritt durch einen Bewegungsmelder löst ein Besucher eine
Audio-Schimpftirade eines russischen Zellenwächters aus.
Metallpritschen in einer "Luxuszelle".
Nur wenige Meter neben an liegt der 80x80cm Kartzer.
Der Tartuer Hafenmarkt gilt als Kleinod.
Dabei liegt Tartu nicht am Meer.
Mit dem Boot aus geht es über den Fluss Emajõgi auf den Peipussee.
Noch ein wenig gemütlich machen mit Kadri, einer sehr tollen Estin :-),
in der Tartuer Maarja Küla Wohnung.

Mein letztes Wochenende war geprägt von viel Rennerei, habe ich doch Besuch von knapp 25 Freiwilligen aus ganz Estland bekommen. Meine Saunaabschlussfeier zog Leute aus vielen verschiedenen Nationen an. Wir begannen den Abend mit einem Essen im Vana Maja und zogen dann für nette Gespräche und ein Lagerfeuer an den Bootssteg ... und siehe da .... SCHNEE!
Tatsächlich: Es hat noch ein letztes Mal geschneit und nur wenige Tage vor meinem Abflug tauchte ein Tiefdruckgebiet Estland in eine weiße Decke. Voll schön!
Danach sprangen wir gegen 23 Uhr in die Sauna, wo wir einen langen Abend mit Gesprächen, Getränken und Sprüngen in die Sauna und danach in ein Eisloch verbrachten.
Ein sehr schöner Abend. Ein Danke an alle Beteiligten!

Der Saunaabend beginnt am Fluss mit einem kleinen Feuer.
Die Brücke ist voll, die Stimmung brodelt ;-)
Ohne Worte :)
Danach ab in die Sauna. Für die letzten gibt es nur Stehplätze.
"Erfrischung" ins kühle Nass :)

Am nächsten Tag hieß es: "Abschied nehmen!" .. sehr traurige Momente, doch es hieß an sich "Bis bald!" und nicht "Tschüss!", denn ich plane ja schon im Sommer zum Singfest wieder da zu sein.
Am Abend fuhren wir dann mit dem Auto nach Tartu, um uns mit Ingrid, meiner Sprachlehrerin zu treffen. Wir verbrachten einen schönen Abend in einem Café und anschließend hatten wir noch ein Essen im Pub bis wir bei Vollmond durch die kalte Landschaft zurückbrausten. Ein großes DANKE noch einmal an Ingrid! Du bist super! :)

Eine Lehrerin und ihre Schüler aus drei verschiedenen Kursen:
Markus, ich, Ingrid und Lidia

Montagabend vor meiner Abreise fand dann die Dorfabschiedsfeier statt. Zunächst erhielt ich mein Freiwilligenshirt mit der großen blauen Nummer 34 auf dem Rücken, denn ich bin der 34. ausländische Freiwillige in Maarja Küla. Nach einer kurzen Rede meinerseits erhielt ich tausende Umarmungen und Geschenke, insbesondere persönliche Gemälde von Bewohnern. Spätestens bei einem Jungen im Rollstuhl aus meinem Haus brachen alle Dämme. Er hatte sogar einen richtigen Weinkrampf mit dem niemand gerechnet hätte. Sogar bei vielen Arbeitern und Arbeiterinnen brachen die Dämme und los ging es mit den Tränen. Irgendwann waren die Tränen vorerst getrocknet und wir aßen Kuchen und tanzten. Eine letzte Nacht mit letzter Sauna brach für mich an, ich verewigte mich noch in Briefen und letzten Gedanken und gegen 5.30 Uhr legte ich mich etwas nieder.


Am letzten Abend wurde ich mit Geschenken überhäuft.
Dieser Abend ging sprichwörtlich ins Herz.
Wir tauschen Umarmungen und gute Worte und Lächeln :)
Einmal alle aufgereiht zum Foto!
Ich bin die Nr. 34!

Der letzte Morgen war schrecklich. Aus Vernunft aß ich einen Löffel Brei, traute mich jedoch nicht ihn herunter zu schlucken, weil mir so schlecht war, dass ich dachte mich gleich übergeben zu müssen. Nach dem Frühstück brachte ich meine Koffer ins Auto und ging für eine letzte Umarmungsrunde durchs Dorf. Ein letzter Blick in mein Zimmer und ich brach zum Auto auf - schon mit Tränen in den Augen. Am Ende der Straße stand das ganze Dorf und fing zu applaudieren an. Zur Sicherheit prüfte ich, der Menge entgegenlaufend, den Sitz meiner Taschentuchpackungen in meiner linken Jackentasche ... und den Sitz meiner Kotztüte in der Rechten. Eine Dorfumarmung umringte mich und unter Tränen fuhren wir - Lidia, Nico, Markus und ich aus dem Dorf. In Tartu angekommen trafen wir auf meinen Mentoren Huko brachen Richtung Tallinn auf, wo uns noch einmal ein schrecklich trauriger letzter Abschied erwartete, wenn nicht sogar der schlimmste. Vielen Dank an alle, insbesondere Markus, Nico und Lidia, sowie Huko schon einmal, doch längerer Danksagungen schreibe ich erst in zwei Wochen in meiner Abschlussreflektion, wenn ich einen ganzen Monat in Deutschland bin.


Abschied am Flughafen, doch kein "Tschüss!" sondern ein "Bis bald!"
Lidia, Markus, ich, Huko und Nicole

Schweren Herzens schritten wir durch die Sicherheitskontrolle des Tallinner Flughafens. Als ich an Bord der estnischen Fluglinie EstonianAir ging, war ich innerlich sehr fertig.
Man kann kaum beschreiben, welche Gefühle mir an diesem Tag durch das Herz und welche Gedanken durch den Kopf gingen.
So starteten wir und entfernten uns von Tallinn, Estland. Der "lange Hermann" und die Bucht vor der Altstadt verschwanden in der Ferne, doch ab da verdeckten uns Wolken die Sicht auf die Ostsee. Wie schwer dieser Moment war, kann ich auch jetzt noch nicht so recht in Worte fassen.
Nach einem langen dreistündigen Umstieg in Stockholm flogen wir gemütlich bis nach Berlin, wo ich auf meine Eltern traf und nach Hause Richtung Leipzig aufbrach. An einer Tankstelle irgendwo in Niedersachsen begrüßte ich die verdutzt dreinschauende Kassiererin ersteinmal mit "Tere!"
In Leipzig angekommen begann ich noch am selben Abend mit dem Auspacken, dem Ausmisten meiner alten Sachen und dem Betrachten meines neuen Eigentums.


Inzwischen bin ich schon einigermaßen gut in Deutschland angekommen, brauche aber sicher noch Zeit um mich einzuleben. Kurz gesagt ist mir alles noch etwas zu groß und zu laut und zu voll. Es fühlt sich durchaus merkwürdig an, jetzt wieder hier zu sein.
Aber irgendwie läuft es schon, das Leben. Das Wetter ist gut und ich habe viel Zeit zum reflektieren und nachdenken. Auch die Aussicht auf baldiges Geldverdienen liegt nicht fern. Dennoch habe ich schon die Flüge und Busse für meinen geplanten Estlandtrip im Sommer gecheckt.

Wie gesagt werde ich meiner Gesamtevaluation noch zwei Wochen Zeit geben. Bis dahin möchte ich mich bei vielen Menschen bedanken. Allen voran tausend Dank an Markus, der mich in meinen letzten Wochen sehr unterstützt und aufgefangen hat, Nicole, die mir meinen Abschied leichter gemacht hat und mich nach Deutschland begleitete, Kadri, die mir die letzten Wochen und Arbeitstage versüßt hat und an mein ganzes Dorf, insbesondere an das Sõbra Maja und meinen "Kleinen", mit dem ich so viel gearbeitet habe.




Sie sind zu meiner zweiten Familie geworden: Die meiste Zeit im
Dorf habe ich im Sõbra Maja (Haus des Freundes) verbracht

Danke an Estland, alle Esten, die ich auf dem Weg getroffen habe, sowie alle diejenigen aus anderen Nationen, die mit mir auf diesem Weg gegangen sind. Ein Danke auch an alle Bewohner und Arbeiter von Maarja Küla nocheinmal. Ihr seid spitze!

Die Arbeit ist umso schöner, wenn man nicht auf Kollegen oder Bewohner, sondern auf Freunde blickt :)

Tausend Dank auch an Aivar (den coolsten Busfahrer der Welt), meine früheren Mitstreiter wie Anna und Elisabeth, alle Menschen, die uns in Finnland, Russland, Litauen und Lettland entgegen kamen und geholfen haben, an Ingrid dafür, dass ich jetzt amtlich bestätigt so gut Estnisch sprechen kann, an die Universität von Tartu, die Tartuer Volkshochschule, das Land Põlvamaa, die Städte Tallinn und Tartu, das Goethe-Institut Tallinn, AS Harjumaa Liinid, Ruuni Pfannkuchencafé, Kompressor Pfannkuchencaf'é, Ristiisa Pub, Illegaard Bar, Pirogov Bar, die Tartuer Zentralbibliothek, alle Gastgeber, sowie alle die uns beim per Anhalter fahren mitgenommen oder uns den Weg gezeigt haben. Danke auch besonders an ViA e.V., den Lions Club, Rotary, Eesti Noored, Maarja Kool und die europäische Kommission - ohne die der EVS oder Maarja Küla nicht möglich gewesen wären. Danke auch an alle vorherigen Freiwilligen! Ich hoffe ich habe niemanden vergessen :)

Kurz und bündig: AITÄH EESTI! DANKE ESTLAND!
Estland lebe hoch!

Peatse nägemiseni,
Marcelikene

Montag, 10. März 2014

Jalajäljed lumes (eestikeelne kiri 4/4)



Sellel aastal vabatahtlikuna on minu meelest päris suur tähendus ja väärtus minu tuleviku ja praeguse  elu jaoks. Koolis olen päevast päeva akadeemilisi asju õppinud, aga mul puudus seni elukogemus.

Eestis ma õppisin töö ja iseseisva elu kaudu, kuidas igapäevaseid asju korraldan.
Saksamaal olles elasin veel oma pere juures. Kuna minu ema ja isa olid töö kaudu tihti kaua kodust ära,  ei olnud ma nii abitu nagu teised noored minu eas. Siiski hakkasin ma alles siin Eestis täiesti iseseisvalt elama. Ma näiteks korristasin, tegin süüa ja pesin pesu. Nüüd oskan ma ka (aeglaselt) õmmelda ja näiteks moosi keeta. Mu kohver ja pea ei ole ainult suveniire või lugusid täis, vaid see sisaldab ka Eesti retsepte ja ekstra portsu eesti vaimu  :-)

 
Nüüd ma tean ka, kuidas puuetega inimestega töötada, kuidas nende soove täita, nendele abiks olla ja nendega aega veeta. Nagu ma juba kirjutasin, ei olnud mul enne Eestisse tulemist üldse kogemusi puuetega inimestega. Aasta jooksul sain nii palju teada ja nüüd lahkun ma tuhande kogemusega. Kuid mul ei ole hetkel plaane sellel alal õppima minna, arvan ma ikka, et ma tulevikus ka edasi puuetega inimestega töötada tahan, näiteks vabatahtlikuna.
Selline töökogemus andis mulle liiga palju häid momente ja rõõmu, et ma raatsiks selle nüüd maha jätta.




Tööajal oli mul alati tähtis, et inimesed mäletavad, kes ma olen. Aasta jooksul tegin oma projekti rahaga toredaid asju, peaaegu alati koos teistega. Nii ma lõin Maarja Küla vabatahtlike raamatukogu, kuhu kogutakse raamatuid ja infomaterjale Eesti, teiste reisikohtade ja keelte õppe kohta. Selle kapi jaoks võtsin ma juba nii palju infomaterjale turismiinfopunktidest kaasa, et need ei mahtunud enam kappi, järelikult ehitasin ma ühe väikse riiuli selle juurde. Ikka veel ma ei oska hästi puiduga töötada (mida on kohe näha, kui vaadata neid kolme minu tehtud riiulit), aga need riiulid seisvad vähemalt veel püsti.
Oma pingil istumine on lahe! :)
Palju aega veetsin ma ka sellega, et aitasin ühe elaniku kommunikatsioonisüsteemi täiendada. Valisime pildid välja ja panime kappide peale, tekitasime talle päevaplaani ja tegevusplaanid, mis aitavad teda tegevusi teha.
Minu projektiraha ja projekti tööaja peaosa täitsin siiski bussijaamale pingi ehitamisega.
Sellega ma alustasin mai kuus ja alles detsembrikuus sain ma selle bussijama püsti panna – peamiselt minu laisa iseloomu pärast .. ja ma vist juba kirjutasin, et ei ole hea puutöömees.
Aga töö on tehtud, ja ma võin öelda, et pink võib-olla ei näe profesionaalne välja, aga kui vaatan seda, siis ma kohe näen, et see on minu töö. See tunne on just see, mida tahtsin.
 

Lahkudes tuleb öelda, et pean tänama kõige eest. Ma muutusin sügavalt ja mu elu muutus samamoodi. Kui mul alguses ei olnud peasoov Eestisse tulla, ei tahaks ma üldse midagi selle juures muuta. Need kogemused elavad alati minu südames. Eestis leidsin hulga sõpru, mitte ainult eestlasi, vaid ka inimesi teistest riikides. Eriti Maarja Külas leidsin häid kaaslasi. Oma toanaabriga sain ma isegi parimaks sõbraks.
Tavaliselt ütlevad välismaalased, kes Eestisse sattusid, et eestlastega ei ole kerge suhelda. Minu arvates on see vale. Head inimesed leidsin igalt poolt üles ja ma olen kindel, et need suhted ei kao kusagile.
Mu vaim on saksa, mu hing on loodetavasti alati Eestiga seotud. Praegu ma lahkun, aga kui ma tagasi tulen (plaan on juba juunis tagasi jõuda) siis ma ei tule puhkusele, vaid koju.

 


Aitäh!
Elagu Eesti!

Dienstag, 4. März 2014

Ilus on maa, mida armastan (eestikeelne kiri 3/4)



Eestlane olen ja eestlaseks jään .... :)
Mul on alati üsna suur huvi kultuuri, keelte ja teiste rahvaste vastu olnud. Selle huvi täitmiseks pakkus mu vabatahtlikuteenindus piisavalt momente. See ei tähenda ainult seda, et mul on palju postkaarte või fotosid arvutis (umbes 60 GB ise tehtud fotosid ja videosid olen aasta jooksul kokku korjanud), vaid et ma õppisin inimestest aru saama. Ma sain teada nii palju Eesti, Eesti kultuuri ja ajaloo kohta, suhtlesin eestlastega, sain eesti keele suhu, õppisin laule ja luuletusi. Leivasuppi söön ma alati isegi suurema rõõmuga kui enamik eestlasi.

Kõik need väiksed igapäevased hetked lõid minu pildi Eestist. Ma armastan neid momente, kui näiteks kuskil väikses külas istun ja kohalikuga Nõukogude Liidu ajaloost räägin, kui teen nalja tuttava bussijuhi või lihapoemüüjaga või kui lauldakse „Eestlane olen ja eestlaseks jään“ Tartu tudengite öölaulupeol. Seda ei saa raamatu abil pähe õppida.



Kindlasti olen paljudes kohtades üle Eesti käinud, kuhu isegi enamik eestlasi ei ole kunagi sattunud.
Kui ütlen eestlasele, et olen juba rohkem kui üks kord Narvas käinud, siis vastatakse sageli: „Ma ei ole kunagi seal käinud.“ Oma toa seina peale, panin ma kunagi Eesti kaardi üles ja hakkasin panema punaseid punkte nende linnade peale, kus ma juba käinud olen. Kui nüüd vaadatakse seda plaani, siis võiks mõelda, et Eesti on leetriviiruse saanud, sest see on päris täis punaseid punkte – eriti lõuna pool.

Viies kord Narvas ... see linn ei ole võib-olla nii ilus, aga väga huvitav küll

Mitte ainult suuremad linnad, nagu Pärnu, Viljandi, Narva, Tallinn, Kuressaare ja Võru ei ole ära märgitud, vaid ka väiksemad linnad, nagu näiteks Põltsamaa, Elva, Mustvee ja Paide. Hea meelega veetsin ma oma aega puhates linnades ja looduses. Nädalavahetustel ma käisin enamasti kuskil reisil, sõitsin kuhugi linna, külla või metsa. Reisimine Eestis on lihtne ja minu jaoks perfektne. Saksa transpordisüsteemiga võrreldes on Eestis päris lihtne ja eriti soodne reisida. Kuna ei ole suuri kiirteid, nagu saksa „Autobahn“, toimub ka hääletamine väga kergelt. 
 
Pikkem hääletamissõit kestis umbes 6 tundi Tartus Narva.
Kõndisime umbes 2 tundi läbi Jõgevamaa.
Lõpuks võtis meid valgevene veoautojuht kaasa.

Ööbimiskoha leidsin ainult mõnikord hotellis või hostellis, pigem leidsin kuskil ühe vaba voodi teiste vabatahtlike, sõprade või sõprade tuttavate juures ning interneti kaudu võõraste inimeste juures. Lisaks sain ma suvel ainult telgi kaasa võtta. Saksamaal see ka ei oleks nii lihtne, sest seal ei tohi niisama telkida.
Saksamaal olles vist hakkan seda lihtsat elu ilma mõttetute reegliteta igatsema. 

Juba pärast kolme kuud Eestis kuulsin seda lauset, mis mulle alatest sellest hetkest iga kord öeldi, kui ma teatasin, et ma olen Eestis elav sakslane. Aja jooksul sain ma seda lauset nii tihti kuulata, et ma võin seda isegi kaasa rääkida:
„Meil on nii palju venelasi, kes elavad siin juba 40 aastat, ja nad ei räägi ühtegi sõna eesti keelt!“. 

Minu arvates on minu aasta edu allikas põhimõtteliselt keelekasutuses, sest ma mõtlen, et eestlastega on kergem suhelda kui vähemalt natuke eesti keelt rääkida. Loomulikult ei ole eesti keele õppimine lihnte, aga mitte ükski keel ei ole lihtne, kui ei ole motivatsiooni ja ambitsiooni maha istuda ja õppida. Nii õppisin palju ja siis ei olnud eesti keel minu jaoks üldse nii raske, nagu öeldakse selle kohta, oli ainult vaja palju õppida.
Kui nägin kunagi oma töö edu, siis oli see päevast päeva õppimist väärt, ja nüüd ma saan enamasti hakkama igaepäevaelus. Ma võin eesti keeles nii arstide juures, postkontoris, poes ja restoranis käia. Mul on ka võimalik ajalehti, lihtsaid raamatuid ja ametlikke kirju lugeda.
Eelmisel laupäeval osalesin siis Tartu keeltekeskuses B2-keeleeksamil. 


Veel ma ei tea, kuidas ma selle oskusega edaspidi Saksamaal olles tegelen, aga siiski olen kindel, et jõuan piisavalt tihti tagasi Eestisse. Võimalusi otsides leidsin juba ka ühe Facebook’i grupi eestlastega, kes mu kodulinnas elavad ja isegi ühe minu kodulinnas asuva saksa-eesti kultuuriorganisatsioon.
Selles mõttes olen ma tõesti õnneseen :-)

Freitag, 28. Februar 2014

Autojuhist pereõeni – Minu töökeskkond ehk Hunt Kriimsilma 9 ametit (eestikeelne kiri 2/4)



Kui ma sattusin Eestisse, siis ma ei teadnud üldsegi, kuidas puuetega inimestega töötada, ja ma vist 
ei oleks uskunud, et kunagi otsustan ma pärast vabatahtliku teenistust isegi kauemaks jääda. 
Tantsides töötada on hea tegevus.
      Saksamaal olles ma töötasin ka mõnikord vabatahtlikuna, aga enamasti kiriku kaudu vanemate 
      inimeste, noorte ja lastega. Kogemusi puuetega inimestega mul peaaegu üldse ei olnud.

Mu mõtetes tekkis hulk küsimusi:
Kuidas nende noortega käituda ja suhelda? Millised ootused minu suhtes on? Milline vabatahtlikutüüp tahaks ma olla? Mis on minu eesmärgid selle teenistuse kohta?
Minu hirmud ei saanud teoks ja ma sain kiiresti tuttavaks oma uue koduga. 

Varsti ma sain aru, et loon oma aasta edu ise. Nagu öeldakse on ju igaüks oma õnne sepp.
Lisaks mõistsin ma ka, et ei ole võimalik täpsustada, mis mu ülesanded on, sest sellises olukorras, et ma elan puuetega inimestega ühes külas, tähendab mu põhiülesanne seda, et lihtsalt elan.
Minu amet sõltub järelikult päevasituatsioonist ja see vahetub mõnikord isegi päeva jooksul. Ma olen nii kokk, koristaja, abimees, pediküürija ja aednik, kui ka
professionaalne ostja, pereõde, autojuht, pesupesija, meelelahutaja, õpetaja ning lõpuks sõber.
Minu tööl on erinevad osad: pean majapidamisega tegelema, süüa tegema, pesu pesema, koristama ja aias töötama. Samal ajal olen siiski ka abimees teistele, kel on võib-olla natuke vähem oskusi kui mul. Aitan neil duši all käia, tuba koristada või teiste tegevuste juures, näiteks ka töökodades.

Eelmise aasta märtsikuus saabus meile uus poiss, kellega ma alates sellest ajast hästi palju aega veetsin. Kuigi ta ise ei räägi, õpetas ta mind eesti keeles rääkima, sest ta oli võimeline mulle iga päev jälle tõelist põhjust andma, et rääkimist paremaks muuta.
See poiss vajab päris palju abi, mis tähendab, et tal on abimeest (või abinaist) hommikust õhtuni vaja. See annab mulle pideva vastutuste, kindlustunde ja rõõmu, aga siiski pean ma ausalt ütlema, et see tähendab kohutavalt palju tööd. Kella seitsmest hommikul kuni kella üheksani õhtul olen teise inimese eest vastutav ja otsustan mida teha. See käib nii päevast päeva. Lõpuks elad kahe inimese elu. 

Selline olukord annab samapalju häi tundeid ja emotsioone, kui võtab sinu elust jõudu.
Ma armastan oma tööd, aga tuleb ka öelda, et kui minnakse sellisesse kogukonda tööle, tuleb valmis olla iseendast palju andma. Kes ei tööta selles töökohas kogu südame ja tahtega, see ei jõua hästi tööd teha.

Töökodades ei tehta ainult tööd :)
Selle aasta jooksul ma olen väga muutunud. Jätsin palju asju selja taha, leidsin uusi sõpru, vanad kadusid ära. Mu iseloom kasvas ja muutus, nii ka minu iseseisvus.
Töö ja isikliku elu kaudu ma sain näha, kui hea inimene ma võin olla, aga samas ka kui halb ma võin olla. 

Minu vabatahtlikuteenistus oli väga edukas, täis tööd ja tegemisi. Tihti ma soovisin tööajal ainult magama minna, sest ma olin nii ära väsinud.
Kuid tagasi vaadates oli töö väsimist väärt, sest nii ma tutvusin mu füüsiliste ja emotionaalsete piiridega.

Õpilasest kasvas lõpuks oma elu peremees ;-)